Bürgerschaftliches Engagement und bedingungsloses Grundeinkommen

Bürgerschaftliches Engagement und bedingungsloses Grundeinkommen (Beitrag im Newsletter 12/2018 des Bundesnetzwerkes Bürgerschaftliches Engagement vom 14. Juni 2018)

Der Begründer des bedingungslosen Grundeinkommens, Thomas Spence, verdeutlicht in seinem Text „The Right of Infants“ von 1796 den Zusammenhang von Grundeinkommen und bürgerschaftlichem Engagement: Auf der Grundlage allen gehörender natürlicher Güter wird die Gesellschaft demokratisiert. Die Nutzer/innen dieser gemeinsamen Güter (Commons) finanzieren das Grundeinkommen und die öffentliche Infrastruktur und Dienstleistungen – vermittels einer Nutzungsabgabe an das Gemeinwesen. Die Bürgerinnen und Bürger haben auf nationalstaatlicher Ebene durch gewählte Abgeordnete und auf lokaler Ebene durch basisdemokratische Entscheidungen die Eigentumshoheit über die gemeinsamen Güter. Sie haben auch die Möglichkeit, über die konkrete Gestaltung und Verwendung der Nutzungsabgaben zu entscheiden. Spence verspricht sich von dem Grundeinkommen und den öffentlichen Einrichtungen nicht nur die Überwindung der Armut. Sondern er verbindet mit seinem naturrechtlichen Ansatz der gemeinsamen Güter auch eine Vision der zum verantwortungsvollen bürgerschaftlichen Engagement befähigten Menschen – weil sie einerseits alle Eigentümer/innen der gemeinsamen Güter sind und weil sie andererseits ihre grundlegende Existenz- und Teilhabesicherung dem gemeinsamen Eigentum verdanken.

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Marxistische Perspektiven auf das Grundeinkommen

Marxistische Perspektiven auf das Grundeinkommen. (Beitrag auf der Website „Die Freiheitsliebe. Dein Portal für kritischen Journalismus“, Mai 2018)

Karl Marx tritt mit einer emanzipatorischen Sozialphilosophie an: Es geht darum, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ (Marx, Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie) Dem Dagegen folgt bei Marx das Dafür: „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“ (Marx/Engels, Kommunistisches Manifest)

Die Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus ist substanzlos, wenn sie nicht den humanistischen, emanzipatorischen Gehalt der Sozialphilosophie von Marx aufnimmt. Es geht um die theoretische und politisch-praktische Kritik kapitalistischer und anderer Herrschaftsverhältnisse, deren Abschaffung. Ebenso ist Sozialphilosophie substanzlos, wenn sie nicht reale politökonomische Zusammenhänge analysiert und in ihre Überlegungen einbezieht.

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Grundeinkommen

Weniger Zwang, mehr Freiheiten, mehr Verantwortung und Entschleunigung

Grundeinkommen: Weniger Zwang, mehr Freiheiten, mehr Verantwortung und Entschleunigung (Beitrag in Der Rabe Ralf, Februar/März 2018, Seite 1 und 4, Zeitschrift der GRÜNEN LIGA, Landesverband Berlin)

Das Grundeinkommen ist eine Geldzahlung des politischen Gemeinwesens an alle Menschen, das die Existenz sichern und die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen soll. Es ist ohne eine sozialadministrative Bedürftigkeitsprüfung und ohne einen Zwang zu Arbeit oder zu einer anderen Gegenleistung individuell garantiert: Das Grundeinkommen ist faktisch das Gegenteil von Hartz IV.

In Deutschland kann von einer notwendigen Grundeinkommenshöhe von etwa 1.100 Euro netto ausgegangen werden. Wer keine weiteren Einkommen erzielt, ist kostenfrei bei der Kranken- und Pflegeversicherung abgesichert. Zu dem Grundeinkommen können weitere Einkommen hinzukommen, wie zum Beispiel Erwerbseinkommen oder Nachteilsausgleiche bei chronischer Krankheit oder bei Behinderung.

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Utopie mit Sprengkraft. Das bedingungslose Grundeinkommen im digitalen Kapitalismus

Utopie mit Sprengkraft. Das bedingungslose Grundeinkommen im digitalen Kapitalismus (Beitrag in „Blätter für deutsche und internationale Politik“, Heft 11/2017, S. 104-112)

Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens hat derzeit Konjunktur: Nicht nur soziale Bewegungen und Einpunktparteien wie das „Bündnis Grundeinkommen“ oder Teile von Linkspartei und Grünen streiten hierzulande dafür. Auch Thüringens ehemaliger CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus und Telekom-Chef Timotheus Höttges sprechen sich angesichts absehbarer Arbeitsplatzverluste infolge der Digitalisierung mittlerweile für ein Grundeinkommen aus. Diese bunte Mischung lässt bereits ahnen, dass es das eine Grundeinkommensmodell nicht gibt. Vielmehr verfügen die jeweiligen Konzepte über einen spezifischen weltanschaulichen und politischen Hintergrund und sind daher auch mit je eigenen gesellschaftspolitischen Veränderungsvorhaben verbunden. Entsprechend unterscheiden sich die einzelnen Vorschläge für ein Grundeinkommen mitunter deutlich – etwa hinsichtlich der Höhe, der Finanzierung, der Veränderung des Steuersystems oder hinsichtlich des Verhältnisses zum bestehenden Arbeits- und Sozialsystem.

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Aktualisiert: Übersicht über ausgewählte Konzepte, Modelle, Eckpunkte eines Grundeinkommens für Deutschland

Hier (pdf-Dokument) findet sich eine aktualisierte Übersicht über ausgewählte Konzepte, Modelle, Eckpunkte eines Grundeinkommens für Deutschland.

Literatur- und Quellennachweise zur Veröffentlichung in den „Blättern“

Literatur- und Quellennachweise zur Geschichte, zu Konzepten sowie Modellen und zur Debatte über das Grundeinkommen für den Beitrag in der Zeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“Das bedingungslose Grundeinkommen: Utopie mit Sprengkraft

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Wie hoch muss ein Grundeinkommen sein? Oder: Das Regelsatzdesaster

Der Streit um die Höhe des Regelsatzes bei den Grund­siche­rungen verdeckt, dass dessen Berechnungsmethode grundsätzlich fragwürdig ist. Deswegen werden alternative Möglichkeiten, das Existenz- und Teilhabeminimum in Deutschland zu bestimmen, aufgezählt und Höhen benannt: Armutsrisikogrenze, Warenkorb, Pfändungsfreigrenze und BAföG-Rückzahlungsbefreiung. Sie bewegen sich um 1.100 Euro netto. Das wäre auch der Orientierungswert für ein Grundeinkommen.

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Ohne Zwang zur Arbeit: Das Grundeinkommen

Über die Idee, eine angemessene Höhe und unterschiedliche Konzepte

Ohne Zwang zur Arbeit: Das Grundeinkommen (Beitrag im neuen deutschland am 06. März 2017) 

Was ist ein Grundeinkommen?
Das ist eine regelmäßig gezahlte Geldleistung eines Gemeinwesens an alle Menschen, damit sie genügend zur Sicherung der Existenz und gesellschaftlichen Teilhabe haben und frei von Armut leben können. Viele Grundeinkommensnetzwerke in Europa definieren das Grundeinkommen mit folgenden Kriterien: Es wird allen Menschen individuell garantiert, es wird ausgezahlt ohne Bedürftigkeitsprüfung, ohne einen Zwang zur Arbeit oder einer anderen Gegenleistung – und zwar in einer die Existenz sichernden und die Teilhabe ermöglichenden Höhe. Alle diese Kriterien bestimmen die Geldleistung als ein bedingungsloses Grundeinkommen.

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Ausgewählte Konzepte, Modelle und Eckpunkte eines Grundeinkommens für Deutschland

Hier (pdf-Dokument) finden sich ausgewählte Konzepte, Modelle, Eckpunkte eines Grundeinkommens für Deutschland.

Solidarische Ökonomie und Grundeinkommen

Blaschke, Ronald: Solidarische Ökonomie und Grundeinkommen, 2016

Kennen Sie die Geschichte vom Zaunstreichen in Tom Sawyers Abenteuer? Tom hatte mal wieder über die Stränge geschlagen. Daraufhin wurde er von seiner Tante bei schönstem Wetter zum Streichen eines Zaunes verpflichtet. Strafarbeit also und ein Zwang das zu tun, worauf Tom gar keine Lust hatte. In Erwartung der ihn dafür hänselnden Freunde sann Sawyer nach einer Lösung, um diese Schmach abzuwenden. Er strich den Zaun nun mit größter Sorgfalt und mit kunstvoller Hingabe. Ja, das Streichen wurde augenscheinlich zu einer kreativen, mit Lust und Liebe ausgeführten Arbeit. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Statt Tom zu hänseln, bat ihn ein Spielkamerad, der auf dem Weg zum Badesee war, auch mal Streichen zu dürfen. Er gab Tom dafür sogar einen Apfel. Andere Freunde kamen am Zaun vorbei. Auch sie gaben Tom dafür etwas, einmal den Zaun streichen zu dürfen.

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